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Malerische Werke
 

Das malerische Werk von Osman Xani


In den meist großformatigen Kompositionen von Osman Xani sind zunächst die kräftigen Farben vorherrschend. Sie bilden Flächen, Inseln vergleichbar und gleichzeitig überziehen Gefüge von Linien große Teile der Kompositionen. Neben den dominierenden Farben sind gegenständliche Sequenzen zu entdecken, Fragmente menschlicher Figuren bewegen sich im Kosmos der Farben. Der Begriff Fragment hat eine vergängliche Anmutung, kann sie haben, im Sinne des von einem großen Ganzen übrig gebliebenen. So ist es hier nicht zu verstehen. Ausschnitthaft erscheinen die Köpfe, Arme oder anderen Teile des menschlichen Rumpfes. Die Kompositionen scheinen endlos, sie enden nicht am Bildrand, sondern gerade an den Bildrändern lassen sich angeschnittene Figuren erkennen.

Fast schwebend in Zeit und Raum, nicht genau auszumachen; auch der Raum verweigert eine nähere Definition. Die Linien könne als Lebenslinien gelesen werden, Fäden, die die im Raum existierenden Figuren ziehen, nach sich ziehen. Neben einfarbigen Farbinseln sind Formen sichtbar, die in sich mehrfarbig sind. Sie bewirken eine Dynamik, Unruhe in den Kompositionen. Es entsteht die Suche nach ruhenden Polen, um selbst im Anblick der vielschichtigen formalen und farbigen Gemälde zur Ruhe zu kommen. Farben und Formen kommunizieren miteinander; in diesem Dialog sind jedoch die Farben die Dominierenden. Sie umgeben, hinterfangen, drängen sich in den Vordergrund. Sie spielen ihr eigenes Spiel.

Die Farben als Stellvertreter für die Welt, für die Umgebungen der Menschen, und die Menschen selbst sind auf der Suche nach Halt, nach ihrer Bestimmung, nach dem eigenen Raum und nach der eigenen Zeit.

Die menschlichen Wesen sind Teil der vernetzten Welt, die Liniengefüge des Künstlers erinnern sichtbar an die Vernetzung und dennoch sind die Menschen allein. In der Komposition mit dem Titel ‚Das Netz' (2008) sind Gesichter und Hände zu erkennen, aber nicht in einer organischen Verbindung, sondern separiert und einzeln. Auch sie sind von Linien überzogen und bilden Inseln in dem gesamten Kosmos, der in kräftigen Farben dargestellt ist. Mehrere Linien beschreiben die archaisch bedeutsame Form der Spirale, ohne Anfang und ohne Ende und dennoch dem Labyrinth verwandt, das den einen wahren Weg verlangt. Einige Farbflächen, die außerdem mit Linien überzogen sind, erinnern an die Formen von Erdteilen. Kontinente rücken näher und fragen um so mehr nach der Definition und Erhaltung von Identität, Authentizität. Gesichter, maskenhaft, ein Fuß und Hände, bewegen sich in einem farbigen Kosmos. Eine Fülle von Farbflächen und von Linien lässt die einzelnen Teile des Menschen vor dem Hintergrund der Frage nach der ‚Identität', 2007 nicht eins werden mit sich selbst.

Fragmentiert die Globalisierung, die Vernetzung die Menschen, die sich hineinfinden wollen oder müssen? Der Titel ‚Das Netz' ist ebenso vielschichtig wie diese Komposition und die anderen Bilder Osman Xanis, das Netz nimmt gefangen, das Netz fängt auf, eine der dialogischen Sequenzen im Werk des Künstlers. In der Komposition mit dem Titel ‚Der Tanz' (2008) spinnt der Tanzende so unendliche viele Fäden, symbolisiert mit Hilfe der Linien, das der Eindruck des Eingesponnenseins entsteht. So greift der Gedanke an Jackson Pollock, an seine ‚Drip paintings' und an die ‚all over structure', die seine großen Formate ohne Anfang und Ende sein lassen; jedoch verzichtet er gänzlich auf jedwede gegenständliche Assoziation. Ein Titel wie ‚Der Tanz' war für ihn undenkbar, meist nummerierte er seine Kompositionen und ließ damit jeglicher Annäherung über die Phantasie freien Lauf. Das Wissen um die Geschichte der Kunst zeigt sich in Kompositionen von Xani immer wieder, nicht zuletzt in der Arbeit mit dem Titel ‚Beseelung'. Ein Diptychon beschreibt im Kosmos der Linien und Farben zwei Hände. Die ergreifende Nicht - Berührung zweier Hände schuf Michelangelo in seinem Fresko zur Erschaffung des Menschen. Die Hände, die der Künstler darstellt, von sind allein, sie allein symbolisieren seinen Ausdruck für die mögliche Beseelung durch die Berührung zweier Menschen.

Immer wiederkehrend thematisiert Xani die Frage nach der Beziehung, nach dem Paar. (‚Ohne Titel', 2007/ ‚Ohne Titel', 2007/'Ohne Titel', 2007/ ‚Ohne Titel', 2007) In einer Serie aus dem Jahr 2007, alle diese Bilder tragen den Titel ‚ Ohne Titel', tauchen Gesichter auf, die an eine bestimmte Werkphase Pablo Picassos erinnern, die Gesichter sind nicht frontal, aber auch nicht als Porträt gemalt; sie lassen eine räumliche Ausrichtung vermissen. Die Menschen scheinen sich in Teilen zu begegnen, vielleicht auch zu berühren. Diese Kompositionen sind weit entfernt von klassischen Darstellungen eines sich liebenden Paares, sind ganz und gar nicht voyeuristisch, sondern werfen eher die Frage nach einem möglichen, zumindest punktuellen Einswerden auf.

Die  menschlichen Wesen erwecken den Anschein, sich in Farbflächen aufzulösen oder sich aus dem farbigen Kosmos erst formen zu müssen, die ihnen eigene Form im Sinne der Identität finden zu müssen. In der Auseinandersetzung mit dem Vergangenen sucht und findet Xani Formen für seine Themen des Hier und Heute. In der Arbeit mit dem Titel ‚Erinnerung' - nomen est omen - erscheint im vorderen Bildbereich die sich neigende Skulptur eines weiblichen Torsos, die Antike im Fall begriffen, das Ende der klassischen Schönheit und auf der gegenüberliegenden Bilddiagonale ein Zug von Menschen, die aus dem Nichts zu kommen scheinen und auch ihr Ziel ist nicht auszumachen. Unter ihnen befindet sich eine Frau mit Kind, das Symbol menschlichen Lebens, wiederkehrenden Lebens, letztlich des Lebenskreislaufes.

Die Skulptur als Metapher für die Vergangenheit in der einen Bildecke und die aufrecht dahin gehenden Zeitgenossen im anderen Bildteil und dazwischen eine undefinierte Fläche. Farblinien laufen vertikal über die Komposition, ein Vorhang, ein Symbol für das Fließen der Zeit?

Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft begegnen sich in dieser farblich zurückhaltender gestalteten Komposition. Das gilt auch für die Arbeit mit dem Titel ‚Verloren. Utopie'. Berühmte Menschen der Vergangenheit wie beispielsweise Che Guevara versammeln sich im Bildraum und nehmen den Dialog mit den Außenstehenden auf. Auch hier ein Vorhang aus farbigen Linien, der die dargestellten Personen deutlich in den hinteren Bildgrund stellt. Sie erwecken den Anschein erstarrter Zeitgenossen … zur Skulptur gewordener Betrachter.

Zwischen Erinnerung und Utopie, zwischen Vergangenheit und Gegenwart formulieren sich Bild gewordene Gedanken des Künstlers, Kunstmalers Osman Xani, der mit den Farben in all ihrer Intensität dennoch Fragen thematisiert, die aktuell und zeitbezogen und nicht unbedingt farbig sind.

Bisweilen erscheinen die Kompositionen wie Puzzle, die auf die richtige Zusammenfügung der einzelnen Teile warten. Das Lineare umschreibt und umfasst die Flächen und wird in einigen Kompositionen zum eigenständigen Element. Das Ornament ist das Symbol, beispielhaft die in vielen Kompositionen immer wieder kehrende (Lebens -) Spirale.

Kassel, im August 2008

Dr. Ellen Markgraf, Kunsthistorikerin